Nach 30 Jahren ist nun Schluss
RIED. Nach drei Jahrzehnten an der Spitze der Sportunion Ried übergibt Dr. Wolfgang Puttinger das Amt an Martin Hochhold. Mit Unser Magazin sprach der langjährige Obmann über seine Amtszeit und warum die Union mitverantwortlich für den Bau der Weberzeile war.
Herr Dr. Puttinger, wie kam es dazu, dass Sie Obmann der Sportunion wurden?
Ich bin 1984 nach meinem Studium wieder nach Ried zurückgekehrt und habe die Sektion Volleyball gegründet. Der damalige Obmann August Geigl hat mich gefragt, ob ich dem Vorstand beitreten möchte. Nachdem ich eingewilligt hatte, hat er mich relativ schnell zum Obmann ernannt.
Hätten Sie damals gedacht, dass Sie diese Funktion 30 Jahre lang ausüben werden?
Darüber hatte ich gar nicht nachgedacht. Ich war schon immer ein Kind der Union und wollte einfach mithelfen. Jetzt, nach so langer Zeit, habe ich mir gedacht, dass es der richtige Zeitpunkt ist, die Obmannschaft in jüngere Hände zu geben. Sport und Jugend passen zusammen, daher war es an der Zeit, in die zweite Reihe zu rücken. Mit Martin Hochhold wurde ein würdiger Nachfolger gefunden.
Was wurde unter Ihrer Amtszeit alles in die Wege geleitet?
Einige Sektionsgründungen wie die Handball- oder Tanzsportsektion. Das absolute Highlight war der Bau des Union-Sportzentrums, welches 2009 fertiggestellt wurde. Eine eigene Halle mit Kraftkammer und Gymnastiksaal zu besitzen, ist nicht selbstverständlich.
Nur die Wenigsten wissen, dass die Union für den Bau der Weberzeile mitverantwortlich war.
Das stimmt. Die ehemalige Tennisanlage, welche sich hinter Kastner & Öhler befand, gehörte dem Christlich-deutschen Turnverein. Es war irgendwann mal klar, dass wir das Grundstück erben werden, wenn sich dieser Verein auflöst. Als dies so weit war, haben wir uns dazu entschlossen, das Grundstück zu verkaufen, um uns eine eigene Heimstätte zu errichten. Ich habe dann den Managern von Kastner & Öhler den Platz als Erweiterungsfläche für einen möglichen Ausbau angeboten. Dadurch war genug Platz vorhanden, um ein Einkaufscenter zu bauen. Das war sozusagen der Startschuss für den Bau der Weberzeile.
Somit stand dem Bau des Sportzentrums nichts mehr im Wege.
Richtig. Wir haben dann mit der Gemeinde verhandelt und konnten uns schließlich einigen, dass diese die Betriebs- und Erhaltungskosten übernimmt, dafür aber die Räumlichkeiten nutzen kann. Für die Neue Sport Mittelschule war das mehr als positiv, da ihre 800 Schüler nur eine Turnhalle zur Verfügung hatten. Nun haben sie eine weitere, moderne Halle direkt vor der Haustüre.
Wie schwer fällt es Ihnen, das Amt des Obmanns zu übergeben?
Überhaupt nicht. Ich bin stolz, behaupten zu können, dass ich die Union schuldenfrei übergeben kann. Zudem konnten wir unsere Mitgliederzahl fast verdoppeln. Ich muss aber dazu sagen, dass ich immer ein sehr gutes Team um mich hatte. Sonst wäre das alles nicht möglich gewesen.
Sie wurden zum Ehren-Obmann ernannt und sind weiterhin im Vorstand aktiv. Die Union lässt sie nicht ganz los.
Wie vorhin schon gesagt, ich bin ein Kind der Union und werde es immer bleiben. Ich stehe meinem Nachfolger natürlich mit Rat und Tat zur Seite und werde immer alles tun, damit wir weiterhin erfolgreich bleiben. Unsere neue Führungsriege ist kompetent, top motiviert und hat schon einige Ideen, welche in den nächsten Monaten und Jahren umgesetzt werden.
War der Bundesligaaufstieg der Volleyballer der sportliche Höhepunkt ihre Obmannschaft?
Das kann man so sagen. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir nicht nur den Aufstieg geschafft haben, sondern auch die Klasse halten konnten. Ich wäre schon sehr traurig gewesen, wenn wir abgestiegen wären. Das wäre kein schöner Abgang und ein großer Wermutstropfen gewesen.
Werden die Volleyballer ihre Spiele weiterhin in der Messe-Halle austragen?
Uns bleibt ja nichts anderes übrig, da ja bekanntlich unsere Halle zu niedrig ist. Aber das ist absolut kein Problem, ganz im Gegenteil. Viele Volleyball-Vereine aus ganz Österreich beneiden uns um diese Location und um die Atmosphäre, welche dort herrscht. Sie waren auch für die Budgetaufstellung der Volleyballer mitverantwortlich.
Ziehen die Volleyballer jetzt mehr Sponsoren an?
Der Klassenerhalt war in dieser Hinsicht sicher nicht negativ. Viele unserer Sponsoren haben im ersten Jahr sozusagen die Katze im Sack gekauft, da sie nicht wussten, ob es für sie einen entsprechenden Gegenwert gibt. Ich bin stolz darauf, dass all unsere Sponsoren uns auch im zweiten Jahr die Treue halten und einige neue dazugekommen sind. Auch konnten wir im ersten Bundesligajahr unseren Zuschauerschnitt fast vervierfachen. In der Zweiten Liga spielten wir vor 70, 80 Fans. Letztes Jahr kamen im Schnitt fast 400 Zuschauer zu unseren Heimspielen. Eine absolut positive Entwicklung.
